Freitag, 22. Januar 2016

Bruno, Giordano, italienischer Philosoph, * 1548 in Nola, † 17. Februar 1600 in Rom.

Bruno, Giordano, italienischer Philosoph, * 1548 in Nola, † 17. Februar 1600 in Rom. 

Er wagte sich zu weit vor in die Unendlichkeit des Universums und bezahlte dies mit seinem Leben.



Giordano Bruno erblickt die Unendlichkeit


Filippo Bruno wird als Sohn eines Söldners 1548 in Nola bei Neapel geboren. Er studiert ab 1562 humanistische Philosophie in Neapel und tritt 1565 in ein Dominikanerkloster ein. Dort nimmt er den Ordensnamen Giordano an.
Es dauert nicht lange, bis er zum ersten Mal Ärger bekommt. Er verweigert die Verehrung der Jungfrau Maria und hängt die Heiligenbilder in seiner Klosterzelle ab. Sein Novizenmeister ist empört, nimmt dies aber als jugendliche Verirrung zunächst noch hin. 1572 wird Bruno zum Priester geweiht und beginnt die Schriften des Aristoteles undThomas von Aquin zu studieren. Doch die Probleme hören nicht auf. 1576 zweifelt er öffentlich an der Dreieinigkeit, was die Kirche seit dem dritten Jahrhundert als eine der schlimmsten Ketzereien ansieht. Bruno wird angeklagt.

Er flieht nach Rom, um den Papst um Vermittlung anzurufen. Unklugerweise hatte er vor seiner Flucht die Schrift De trinitate des Kirchenvaters Augustinus in die Klosterlatrine geworfen, um seine Meinung über dieses Thema zu unterstreichen. Als dies in Rom ruchbar wird, muss er auch von dort fliehen.

Brunos weiteres Leben wird zu einer unsteten Wanderung durch das Europa der Renaissance. Seine nächste Station ist Genf. Er tritt der calvinistischen Kirche bei, bei der er seine Ansicht über die Heiligenverehrung geteilt findet. Calvin hasst jedoch das heliozentrische Weltbild des Kopernikus, für das Bruno eintritt. Bruno wird als Ketzer angeklagt und von Calvin exkommuniziert. Er flieht nach Toulouse, wo er 1579 einen Lehrstuhl erhält. Aus der Lehre der griechischen Naturphilosophen und dem Weltbild des Kopernikus entwickelt er seine eigene Philosophie. Dort beginnt auch sein photographisches Gedächtnis Aufsehen zu erregen. Bruno hat ein eigenes mnemonisches System entwickelt, doch verbreitet sich das Gerücht, dass er über magische Fähigkeiten verfüge.

Das Universitätsleben in Toulouse dauert nicht lange. Vor der Hugenottenverfolgung flieht er 1581 nach Paris. Dort findet er in Heinrich III. einen Gönner, der ihn jedoch bald wieder loswerden möchte. 1583 geht Bruno nach Oxford, um sich um einen Lehrstuhl zu bewerben. Schon seine Probevorlesung endet durch seine Angriffe auf Aristoteles mit einem Eklat und – wie so oft – mit seiner hastigen und unfreiwilligen Abreise. Bis Mitte 1585 lebt er in London im Haus eines Freundes, des französischen Botschafters. Dort veröffentlicht er neben bissigen Satiren über den Oxforder Gelehrtenstand sein Hauptwerk De l'infinito, universo et Mondi ("Über das Unendliche, das Universum und die Welten").

Im Mittelpunkt seines Denkens steht die Annahme, das Universum sei unendlich nicht nur in Raum und Zeit, sondern auch in der Anzahl und Vielfalt der existierenden Dinge. Damit stellt er sich in Gegensatz zur scholastischen Methode. Deren Vertretern wirft er vor, nur Abstraktionen gelten zu lassen und für die Vielheit der Welt blind zu sein. Bruno sieht das Universum als ein organisches Ganzes, in dem alle Dinge miteinander wechselwirken. Gott und Natur sind eins. Daher kann Gott nicht durch philosophische oder theologische Argumente erkannt werden, sondern nur durch die Erforschung der Natur.
All dies sind gefährliche Ansichten, denn für die Erkennung Gottes hält sich allein die katholische Kirche für zuständig. Aber es kommt noch schlimmer. Die Erde, behauptet Bruno, ist nicht der Mittelpunkt des Universums, sondern nur eine Welt von unendlich vielen. Die Sterne sind gleich der Sonne, umkreist von Planeten, die von einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert sind. Die Kirche, die sich hier als Organisation auf einem unbedeutenden Planeten dargestellt sieht, wird ihm diese Relativierung nicht verzeihen.

Bruno kehrt 1585 zurück nach Paris und macht sich sofort durch eine Thesensammlung gegen Aristoteles und eine Schmähschrift gegen den katholischen Professor Fabrizio Mordente unbeliebt. Er muss Paris verlassen, reist nach Deutschland und erreicht eine Lehrerlaubnis in Wittenberg. Dort lehrt er zwei Jahre lang Philosophie. Als in Wittenberg der Boden für ihn zu heiß wird, geht er nach Prag, dann nach Helmstedt, wo er wieder ein kurzes Gastspiel an der Universität gibt. Auch hier lässt der Ärger nicht lange auf sich warten: Nach öffentlichen Zweifeln an Christi Gottessohnschaft wird er nun auch von den Lutheranern exkommuniziert.

Alles, was Bruno anstrebt, ist an irgendeiner Universität Fuß zu fassen und seßhaft zu werden. Doch ebenso groß wie seine Fähigkeit, immer wieder Gönner und Förderer zu finden, ist sein Talent, sich in erstaunlich kurzer Zeit erstaunlich viele Feinde zu machen. 1590 lässt er sich in Frankfurt am Main nieder, legt sich mit den Stadtherren an und wird ausgewiesen. Nach einem kurzen Gastspiel in Zürich kehrt Bruno, vielleicht von Heimweh getrieben, nach Italien zurück. Vorübergehend lehrt er in Padua, aber dieser Lehrstuhl wird zu seiner Enttäuschung an Galileo Galilei vergeben.

Bruno nimmt eine Einladung nach Venedig an. Sein Gastgeber, der venezianische Adlige Giovanni Moncenigo, gibt vor, die Gedächtniskunst lernen zu wollen. Tatsächlich verlangt er eine Einweihung in magische Künste. Bruno lehnt dies ab, zweifellos in der ihm eigenen polemischen Art. Der beleidigte Moncenigo rächt sich furchtbar. Er denunziert seinen Gast als Ketzer und Magier bei der Heiligen Inquisition in Venedig. Am 22. Mai 1592, kurz vor seiner geplanten Abreise, wird Giordano Bruno verhaftet.

Anfang 1593 bringt man ihn nach Rom und kerkert ihn in der Engelsburg ein. Der Fang kommt der Inquisition gerade recht. Überall in Europa beginnen Gelehrte von der Kirchendoktrin abzuweichen und gefährliche Gedanken nicht nur zu denken, sondern auch öffentlich zu verkünden. Es gilt, ein Exempel zu statuieren. Sieben Jahre lang wird der Prozess gegen Bruno vorbereitet; sieben Jahre lang versuchen die Inquisitoren, aus ihm ein Geständnis und einen Widerruf herauszufol-tern. Bruno kämpft trickreich um sein Leben. Er versucht, eine Audienz bei Papst Clemens VIII. zu erreichen, ist sogar bereit, auf Teile seiner Lehren zu verzichten. Doch dies genügt der Inquisition nicht. Als sie den vollständigen Widerruf fordert, weigert sich Bruno. An der Behauptung unendlich vieler Welten hält er fest.
Am 9. Februar 1600 wird das Urteil verlesen. Der Philologe Kaspar Schoppe berichtet:
"Heute sah ich mit eigenen Augen, wie Giordano Bruno, als Ketzer überführt, auf dem Campo dei Fiori vor dem Theater des Pompeius öffentlich verbrannt wurde. […] Am 9. Februar war Bruno im Palast des Großinquisitors und in Gegenwart der erlauchtesten Kardinal-Inquisitoren, der theologischen Berater und des römischen Stadtoberhaupts in den Gerichtssaal geführt worden, wo er niederknien und den Urteilsspruch anhören musste. Erst wurde von seinem Leben und seiner Lehre berichtet und darauf hingewiesen, mit welcher Fürsorglichkeit die Inquisition versucht hatte, ihm seinen Irrweg aufzuzeigen und ihn brüderlich zu ermahnen. Geschildert wurde, wie hartnäckig und gottlos Bruno gewesen war. Dann wurde ihm seine Stellung als Geistlicher aberkannt, worauf man ihn exkommunizierte und dem weltlichen Arm zur Bestrafung übergab mit der Bitte, die Strafe möge so gnädig ausfallen wie möglich. Während der ganzen Zeit erwiderte Bruno kein Wort, nur einmal sagte er: "Vielleicht habt ihr, die ihr dies Urteil fällt, mehr Grund zur Angst als ich, der ich es hinnehmen muss."

So wurde er von den Männern des Stadtoberhaupts ins Gefängnis gebracht, wo man ihn noch acht Tage lang festhielt, für den Fall, dass er seine Irrtümer widerrufen wollte; aber ohne Erfolg. Und deshalb wurde er heute auf den Scheiterhaufen geschickt. Als ihm vor dem Tod das Bild des Gekreuzigten hingehalten wurde, wies er es mit bitterer Verachtung zurück. Er ging in den glühenden Flammen elendiglich zugrunde und war vielleicht kurz davor, auf die Welten zu verzichten, die er erdacht hatte. Und so werden gotteslästerliche und gottlose Menschen für gewöhnlich in Rom behandelt.
"
Brunos Bücher wurden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt und blieben dort bis 1965. Das Todesurteil gegen Giordano Bruno wurde erstmals von Papst Johannes Paul II. am 12. März 2000 am 'Tag der Vergebung' öffentlich bedauert.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen